2. Ausstiegshilfen für SchülerInnen

Während der Motivationskurs meist im Zusammenhang mit schulischen Sanktionen steht, basiert ein Ausstiegsangebot stets auf Freiwilligkeit: Die Schülerin oder der Schüler entscheidet selber darüber, ob er oder sie das Rauchen beendet. Etwas mehr als die Hälfte der 14- bis 20-jährigen rauchenden Jugendlichen will mit dem Rauchen aufhören, ein Viertel innerhalb des nächsten halben Jahres (Keller et al., 2008).

Rauchende Jugendliche unterschätzen die Schwierigkeit eines Rauchstopps: So glaubt knapp die Hälfte von ihnen, in zwei Jahren nicht mehr zu rauchen. Es zeigt sich jedoch, dass der Raucheranteil mit zunehmendem Alter ansteigt und es nur fünf Prozent im Jugendalter gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören (ebd., 3). Dies nicht zuletzt deshalb, weil die gesundheitlichen Folgen für die Jugendlichen noch nicht so abschätzbar sind.

Über 44 Prozent der Schulkinder in der Schweiz sind in der Familie Passivrauch ausgesetzt. Das schadet nicht nur der körperlichen Gesundheit der Heranwachsenden, es führt auch zu vermehrtem Rauchen (Kahlke & Raschke, 2005). Fehlende Rauchbeschränkungen in Schule und Elternhaus fördern das Rauchen im Jugendalter (Wakefield et al., 2000).

Nicht alle SchülerInnen, die das Zigarettenrauchen beenden wollen, benötigen hierbei Hilfe. Die Mehrheit der kleinen Zahl von Jugendlichen, die das Rauchen erfolgreich aufgeben, erreicht dies ohne professionelle Unterstützung. Dazu kommt, dass Jugendliche professionellen Ausstiegsangeboten und fremdem Rat eher skeptisch gegenüberstehen (Leatherdale & Mc Donald, 2005).

Hindernisse beim Ausstieg

In der Praxis stellen sich bei Jugendlichen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, eine Reihe von Hindernissen in den Weg: Jugendliche RaucherInnen wollen beides weiterrauchen und aufhören. Ihre unklare und ambivalente Motivation ist eine zentrale Herausforderung. Analog zu erwachsenen RaucherInnen überschätzen sie zudem ihre Veränderungskompetenzen. Es fehlt ihnen an sozialer Unterstützung in Elternhaus und Schule und sie beanspruchen selten externe Hilfe für den Rauchstopp (Lindinger, 2006).

Es ist daher besonders wichtig, immer wieder im Einzelfall zu prüfen, bei welchen Jugendlichen welche Angebote sinnvoll sind und akzeptiert werden und wie viel Eigenständigkeit oder externe Hilfe für die Betroffenen günstig oder nötig sind. Ausstiegsangebote für Jugendliche müssen individuell abgestimmt sein, auf die verschiedenen Altersgruppen ebenso wie den Grad der Abhängigkeit, der sehr unterschiedlich sein kann. Ein älterer Schüler, der schon seit längerer Zeit täglich grössere Mengen Zigaretten raucht, zeigt wahrscheinlich eine wesentlich stärkere Abhängigkeit als eine jüngere Schülerin, die erst seit kurzem und nur gelegentlich raucht. Für SchülerInnen mit deutlicher Abhängigkeit sind schulische bzw. pädagogische Angebote oftmals nicht ausreichend, um eine nachhaltige Verhaltensänderung zu bewirken. In diesen Fällen sollten auf Nikotinabhängigkeit spezialisierte Angebote vermittelt werden. Aufgabe einer rauchfreien Schule muss es sein, die Palette der Angebote zu kennen und SchülerInnen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, die nötige Unterstützung zukommen zu lassen.

Sie erhalten im Folgenden eine Übersicht über die unterschiedlichen Hilfsangebote für jugendliche RaucherInnen im deutschsprachigen Raum. Adressen der Anbieter von Gruppenkursen und Einzelberatung für Jugendliche können Sie mit einer E-Mail an erfahren.

Ausstiegskurse und Einzelberatung für Jugendliche

Ziele
Gruppenprogramme für Jugendliche finden in der Regel in kleinen Gruppen von sieben bis zwölf Teilnehmenden statt. Sie umfassen im Durchschnitt zwischen vier und acht Sitzungen (Sussmann, 2002). Die Interventionen basieren auf kognitivverhaltenstherapeutischen Methoden. Ziele sind, die Motivation zu stärken, die Selbstwahrnehmung zu fördern, den Ausstieg vorzubereiten und die Abstinenz aufrechtzuerhalten (Milton et al., 2003). Dabei gilt es, die besonderen Motive fürs Rauchen im Jugendalter, eine altersgerechte Risikoaufklärung zu berücksichtigen und jugendspezifische, auch am Spass orientierte Methoden zu wählen. Ein auf solchen Rahmenbedingungen entwickeltes Programm ist «Aufhören nach Mass», für das Lehrpersonen interessierte SchülerInnen anmelden können (Angebot erst in ZH und SG). Weitere Informationen mit Anmeldetalon unter www.fittoquit.ch. Bei den Sitzungen werden auch Kohlenmonoxid-Messungen durchgeführt, die eine unmittelbare Rückmeldung auf den aktuellen Rauchstatus geben.

Lehrpersonen sollen Angebote kennen
Die bisher beschriebenen Bestandteile der Gruppenkurse unterscheiden sich von denen der Einzelberatung nicht. Was in der Einzelberatung wegfällt, sind das stellvertretende Lernen und die Unterstützung von Gleichaltrigen der Gruppe. Auch ist der Aufwand bei Einzelsitzungen gegenüber der Gruppenarbeit grösser. Dafür ist Einzelberatung für diejenigen Jugendlichen eher geeignet, für die Gruppenprogramme nicht angezeigt sind oder die sich die Arbeit in einer Gruppe nicht vorstellen können. Erfahrungsgemäss werden Gruppenangebote und Einzelberatung von Jugendlichen selten aus eigenen Stücken in Anspruch genommen. Es ist daher von grosser Bedeutung, dass die Lehrpersonen Ihrer Schule die Angebote in der Region kennen, die rauchenden SchülerInnen auf die Angebote hingewiesen werden und sich eine Verbindlichkeit der Kooperation zwischen Schule und Fachstelle entwickelt.

Broschüre

Jugendliche bevorzugen beim Ausstieg aus dem Rauchen häufig einen eigenen Weg ohne Hilfe durch Erwachsene. Dieses Bemühen sollte von der Schule akzeptiert und unterstützt werden. Die Aufhörhilfe «Schluss mit der Zigarette» bietet Strategien und Tipps, mit denen Jugendliche ihre Chancen auf einen erfolgreichen Ausstieg aus dem Rauchen vergrössern können (Umschlagklappe). Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat zwei Broschüren für rauchende Jugendliche entwickelt, die eine für Jungen, die andere für Mädchen («Stop smoking Girls», «Stop smoking Boys»). Sie können diese unter www.rauch-frei.info (Menüleiste «Bestellservice») herunterladen.
Es ist sinnvoll, die Broschüren Jugendlichen, die eine Bereitschaft zum Ausstieg signalisieren, auszuhändigen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass eine Lehrperson in der Schule bei Nachfragen für Gespräche zur Verfügung steht.

Internetangebote

Der Ausstieg Jugendlicher aus dem Rauchen kann auch durch Internetprogramme unterstützt werden. Im Unterschied zu den oben genannten schriftlichen Materialien sind sie «interaktiv»: Auf der Grundlage eines ermittelten persönlichen «Raucherprofils» oder Rauchverhaltens eines Jugendlichen werden ihm individuell «passende» Ausstiegsstrategien vorgeschlagen. Der Ausstiegsversuch wird durch das Programm über längere Zeit begleitet und unterstützt, manchmal auch mit Hilfe von E-Mails.

www.feelok.ch
Das internetbasierte Computerprogramm auf der Schweizer Website www.feelok.ch wurde vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich entwickelt. Es handelt sich um ein Interventionsprogramm mit einer Reihe von Themen zur Gesundheitsförderung und Prävention, ausser Rauchen auch Cannabis, Stress, Alkohol, Bewegung, Ernährung und Sexualität. Es richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Das Rauchstoppprogramm von feelok www.feelok.ch/weiter/rauchstopp begleitet rauchende Jugendliche, die daran denken aufzuhören, in vier Schritten zu ihrem Ziel. Sie finden hier viele jugendspezifische Informationen und Tipps zum Thema. Das Programm hilft bei der Vorbereitung zum Rauchstopp, beim Aufhören selber und in der Zeit danach, etwa beim Umgang mit Risikosituationen, mit rauchenden FreundInnen und Verwandten, wenn das Reissen kommt und durch Stärkung der Selbstwirksamkeit. Neben Informationen gibt es in «feelok» auch Diskussionsforen, Spiele, Links und Adressen von regionalen Fachstellen für JugendlicheNeben Informationen und Übungen gibt es in «feelok» auch Diskussionsforen, Spiele, Links und Adressen von regionalen Fachstellen für Jugendliche.

www.justbesmokefree.de
Das deutsche Internetportal www.justbesmokefree.de bietet ein niederschwelliges Programm zum Rauchstopp für Jugendliche und junge Erwachsene an, das vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung IFT-Nord/Kiel in Kooperation mit dem deutschen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie der Bundesärztekammer durchgeführt wird. Jugendliche RaucherInnen erhalten auf der Website Informationen, können ihre Nikotinabhängigkeit testen und sie können sich individuell oder als Gruppe mit anderen aufhörwilligen Jugendlichen schriftlich für das Programm anmelden. Sie erhalten dann kostenlos eine Materialmappe mit Anmelde- und Informationsbroschüren. Darin werden Themen wie etwa Identi kation ihrer Risikosituation, Alternativen zum Rauchen, Selbstverstärkung für geschaffte Schritte und der Umgang mit Rückfällen behandelt. Zusätzlich sieht das Programm den Einsatz von MultiplikatorInnen vor, die rauchende Jugendliche bei der Reduktion oder beim Rauchstopp unterstützen sollen. Unter den angemeldeten TeilnehmerInnen werden als Anreiz, rauchfei zu bleiben und zu werden, regelmässig Geldpreise verlost.

www.rauch-frei.info
Auf der Website www.rauch-frei.info der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden Jugendliche ebenfalls ein Rauchstopp- Programm. Es hilft Jugendlichen, ihr Rauchverhalten richtig einzuschätzen, und unterstützt sie beim Ausstieg. Dabei werden mehrere Schritte in ein rauchfreies Leben vorgeschlagen: Zunächst wird ein Rauchpro l der Jugendlichen erstellt. Anschliessend können die Jugendlichen ihr persönliches Ziel festlegen, das mit dem Programm erreicht werden soll, und den Tag X xieren, an dem das Rauchen beendet oder der Konsum reduziert werden soll. Es folgt eine «Vorbereitungstour» auf den Tag X, da der Wille allein oft nicht ausreicht, um mitunter jahrelange Rauchgewohnheiten zu verändern. Sie entwickeln ihre persönliche Ausstiegsstrategie mit Hilfe der Tipps und Tricks zum Aufhören. Die Jugendlichen werden weitere vier Wochen nach dem Rauchstopp regelmässig per E-Mail eingeladen, das Programm wieder zu besuchen. In der «Rauchfrei »-Community können sie während und nach dem Ausstieg mit anderen ihre Erfahrungen austauschen.

Attraktivität und Akzeptanz des Internets

Es hat sich gezeigt, dass durch die Attraktivität des Mediums, die individuelle Ansprache und die Möglichkeit, persönliche Rückmeldungen zum Rauchverhalten zu geben, solche Internetprogramme eine hohe Akzeptanz bei vielen Jugendlichen erzielen. Ein weiterer Vorteil des Internets liegt in der zunehmenden Zugänglichkeit. So haben Interventionsprogramme nachweislich eine grosse Reichweite und eine niedrige Eintrittsschwelle.

Beratungstelefon

In vielen Fällen ist es sinnvoll, SchülerInnen (oder deren Eltern) auf die nationale Rauchstopplinie aufmerksam zu machen. Dort stehen ExpertInnen zur Verfügung, die bei der Suche nach einer geeigneten Ausstiegsmöglichkeit für den einzelnen Jugendlichen helfen können: 0848 000 181 Rauchertelefon (4 bzw. 8 Rappen pro Minute ab Festnetz).